Spekulanten, Propheten und Wissenschaftler wollen Umsätze im Filmgeschäft vorhersagen

Diese Woche wird in verschiedenen Medien über Versuche berichtet, die Einspielergebnisse neuer Kinofilme vorherzusagen. In “Focus 15/10″ wird von Wissenschaftlern “der HP Labs in Palo Alto” berichtet, die “knapp drei Millionen Twitter-Updates” zu aktuellen Filmen untersuchten und dadurch mehrmals mit “97-prozentiger Genauigkeit” den Umsatz dieser Filme an der Kinokasse vorankündigten. Ob sich damit auf Dauer Aktiengewinne (in der Filmbranche) realisieren lassen, wird sich aber erst noch zeigen.

Wesentlich aufwändiger geht der Marketing-Professor Thorsten Hennig-Thurau von der Bauhaus-Universität vor. Laut “Tagesspiegel” vom 13.04.2010 hat er “eine Formel entwickelt, mit der sich der Erfolg von Filmen vorausberechnen lässt”. Er untersucht neue Filmprojekte anhand von 300 Faktoren wie Werbebudget, Starpower, Drehbuch, Anzahl der eingesetzten Kopien u.v.m. und berechnet daraus zu erwartende Kasseneinnahmen. “Etwa 20 Prozent betrage die Fehlerquote normalerweise bei seinen Vorhersagen, sagt Hennig-Thurau.” Und dass die beste Voraussetzung für einen erfolgreichen Film ein erfolgreicher Film sei: “Die erfolgreichsten Filme sind Fortsetzungen von Kinoerfolgen sowie Adaptionen von Büchern, Comics und Videospielen.”

Umfangreiche Datensammlungen und ausgefeilte Software werden immer wichtiger zur Produktionsplanung neuer Filme. Schon seit mehreren Jahren bieten Firmen wie Epagogix entsprechende Dienstleistungen an. Kommerzielle Filme sind schon lange eine Ware wie Schweinebäuche und sollten deshalb genauso betrachtet werden. Im Tagesspiegel wird sogar der Auslöser für die aktuellen Meldungen über die Filmwahrsagerei genannt: “Am 20. April entscheidet eine Aufsichtsbehörde in den USA über den Antrag der Finanzfirma Cantor Exchange, in Chicago eine Börse für Filme zu eröffnen.”